Fachtag "Cannabisprävention"

Wir widmen uns im Rahmen unseres diesjährigen Fachtages dem Thema "Cannabisprävention". Viele von Ihnen sind in ihren Arbeitsgebieten mit Jugendlichen oder jungen Erwachsenen (problematischen) Cannabiskonsument*innen konfrontiert. Mit unserem Tagungsprogramm werden wir Ihnen neben Basisinformationen zur Substanz Cannabis vor allem Konzepte und Projekte erfolgreicher Cannabisprävention vorzustellen. Wir hoffen, dass einige dieser Angebote Sie in Ihren jeweiligen Berufsfeldern wie Schule, Jugendhilfe, Kommune oder ambulante Suchtkrankenhilfe, unterstützen können.
Um Ihnen die Auswahl der Foren zu erleichtern, finden Sie weiter unten eine kurze Beschreibung der jeweiligen Inhalte.

Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung!

Die Fachtagung wurde mit der Veranstaltungsnr. EXT04336 in den Online-Fortbildungskatalog des Sächsischen Kultusministeriums aufgenommen.
Damit können Lehrkräfte öffentlicher sächsischer Schulen beim zuständigen Standort des LaSuB die Erstattung der Fahrkosten beantragen. 
 

Tagungsprogramm im Überblick (zum aufklappen bitte klicken)

09:00 Uhr     

Ankommen

09:30 Uhr   

Begrüßung
Sirko Schamel, Fach- und Koordinierungsstelle Suchtprävention Sachsen 
                                    Bereich Suchtmittelspezifische Suchtprävention

 

Grußworte
Babara Klepsch, Staatsministerin für Soziales (angefragt)
Beate Drowatzky, Vorstandsvorsitzende des SLS e.V.

09:45 Uhr   

Basisreferat
Entwicklungen und Trends in der Prävention, Beratung
und Therapie für Cannabiskonsument*innen
Andreas Gantner, Therapieladen Berlin

10:50 Uhr 

Kaffeepause

11:10 Uhr

Verschiedene Blickwinkel auf das Thema

 

Problematischer Cannabiskonsums aus Sicht einer Suchtberatungsstelle
N.N.,

Die Problematik Cannabis aus Sicht der Polizei
Holger Klemm, Kommissariat 22

Kriterien für eine gelungene Intervention bei jungen Cannabiskonsumenten
Daniel Ott, Villa Schöpflin

12:30 Uhr  

Mittagspause
13:30 Uhr    Austausch in thematischen Foren*
15:00 UhrFachlicher Austausch bei Kaffee und Kuchen
16:00 Uhr Ende der Veranstaltung
*Kurzbeschreibung der Foreninhalte (zum aufklappen bitte klicken)

Michael Wilde, Fach- und Koordinierungsstelle Suchtprävention Sachsen
N.N,  

Das Thema Cannabiskonsum bei Jugendlichen stellt das Setting Schule häufig vor große Herausforderungen. Wie geht man mit Schüler*innen um, die Auffälligkeiten zeigen oder sogar die Substanz bei sich haben, sind Beispiele für die Unsicherheiten, die bestehen. Aus diesem Grund beschäftigen wir uns in diesem Forum speziell mit diesem Bereich. Wir diskutieren Möglichkeiten der Prävention und der Aufklärung zum Thema Cannabiskonsum. Dies beinhaltet Erfahrungen in der Arbeit mit den Jugendlichen, erprobte Projekte und Methoden sowie Plattformen, auf denen Sie sich über exteren Partner informieren können, die Sie bei Veranstaltungen unterstützen. Des Weiteren schauen wir auf mögliche Strukturen im Setting Schule insgesamt und in Bezug auf Cannabis. Hierbei geht es um Festlegungen von Abläufen in einem Präventionsplan, der sowohl Prävention als auch Intervention thematisiert. Es werden Empfehlungen beim Vorgehen im Fall von Konsum, Handel und das Auffinden von Cannabis gegeben sowie Hinweise beim Ansprechen auffälliger Schüler*innen. In der Diskussion soll es vor allem um Ihre Erfahrungen und mögliche Herausforderungen gehen.

Julia Noack, Mobile Jugendarbeit zur Suchtprävention „No Addiction“
Fabian Günther, Mobile Jugendarbeit zur Suchtprävention „No Addiction“

Peter (16) kifft gerne mit seinen Freunden im Park, Steff (17) kann sich einen Tag ohne Cannabis nicht mehr vorstellen, Patrick (13) hat durch seine älteren Freunde nicht zum ersten Mal Bong geraucht, Pauline (18) geht gerne feiern und konsumiert neben Alkohol auch gerne Cannabis, da sie so die Musik intensiver wahrnehmen kann…
Cannabis ist die am weitesten verbreitete und damit am häufigsten konsumierte illegalisierte psychoaktive Substanz unter Jugendlichen. Der Konsum von Cannabis und dessen Abhängigkeit nimmt in den verschiedenen Arbeitsbereichen der Jugendhilfe – Offene, Stationäre und Mobile Jugendarbeit – in der Wahrnehmung vieler Fachkräfte einen immer größeren Stellenwert ein.
In diesem Forum sollen häufig aufkommende Fragestellungen von Fachkräften diskutiert und niedrigschwellige Ansätze zum Kontaktaufbau und der Thematisierung von (Cannabis-)Konsum mit schwer erreichbaren Zielgruppen vorgestellt werden. Im Mittelpunkt stehen dabei zentrale Fragestellungen, die sich durch die tagtägliche Arbeit mit Jugendlichen ergeben: Wie thematisiere ich den Konsum von Cannabis? Welche Informationen benötigen Jugendliche? Welche Möglichkeiten der Intervention und Prävention haben Fachkräfte? Welche Motive stecken hinter dem Konsum von Cannabis?
Das Fachteam zur Suchtprävention gestaltet neben Workshops für Schulklassen und Multiplikator*innen aus der Jugendhilfe, auch niedrigschwellige Angebote für die Offene Jugendarbeit und arbeitet aufsuchend und mobil mit konsumierenden Jugendlichen und jungen Heranwachsenden im öffentlichen Raum (Streetwork) und im Partysetting (Safer Nightlife).

Vivien Tonn,   Jugend- und Drogenberatungsstelle Dresden
Sven Linder,  Jugend- und Drogenberatungsstelle Dresden   

Aktuelle Erhebungen zeigen, dass die Prävalenz des Cannabiskonsums wieder zugenommen hat – vor allem auch in der Altersgruppe Jugendliche und junge Erwachsene.
Die breitere Akzeptanz eines Cannabiskonsums in der Bevölkerung, das jugendliche Alter sowie das Ausbleiben verschiedener negativer Aspekte, die sonst mit problematischen Konsum psychoaktiver Substanzen erlebbar sind, tragen dazu bei, dass zunächst selten eine selbstkritische Sicht auf den eigenen Konsum vorhanden ist. Somit kann in der Regel nur von einer begrenzten Eigenmotivation ausgegangen werden. Vermittlungsprozesse werden zumeist über Bezugspersonen initiiert.
Weder Jugendhilfe noch Suchthilfe gelingt es bisher ausreichend, mit der Gruppe der jüngeren Cannabiskonsumenten gut in Beratungsprozesse zu finden.
In dem Forum sollen zielführende Beziehungsaufbau- und Gesprächsstrategien erarbeitet werden und die bestehenden Beratungs- und Behandlungsangebote (z.B. Fred, Candis, MDFT) überblickartig vorgestellt und kritisch diskutiert werden. Möglichkeiten und/oder die Notwendigkeit der Einbeziehung der Bezugspersonen in den Beratungsprozess sollen vor dem jeweiligen Erfahrungshintergrund der Teilnehmer reflektiert werden.

Andreas Gantner, Therapieladen Berlin
Die Forderungen nach einer Beendigung der Cannabisprohibition und einer regulierten Abgabe von Cannabis für Erwachsene wird inzwischen von einer Mehrheit der Sucht- und Präventionsexpert*innen, Suchtfachverbänden, Strafrechtlern, sowie zunehmend von Städten und Kommunen gefordert. Kritische Gegenstimmen finden sich vor allem  bei den Fachgesellschaften der Psychiater/Kinder- und Jugendpsychiater, die vor den Gefahren des Kiffens für Jugendliche und einem nicht funktionierenden Jugendschutz warnen. Es wurde dabei u.a. argumentiert, dass eine Freigabe für Erwachsene eine falsche Signalwirkung für Jugendliche hätte, der Konsum steigen würde und außerdem durch das Verbot und die strafrechtliche Zuweisung Konsumenten früher und besser erreicht würden.
In einem einführenden  Impulsreferat werden folgend Thesen zur Diskussion gestellt:
Das Cannabisverbort erzielt nicht den generalpräventiven Zweck. Durch das generelle Cannabisverbot wird eine offensive, enttabuisierte Suchtprävention, die auch Kriterien für einen risikoarmen Umgang mit Cannabis anbietet, erschwert. Ebenso wird durch das Stigma der drohenden Kriminalisierung   eher die Möglichkeit der frühen Interventionen verhindert. Defizite im Jugendschutz/Jugendhilfe sind aber auch unabhängig der Cannabisprohibition zu sehen. Eine zukünftige Cannabisregulierung bietet die Chance und Verpflichtung für eine Verstärkung und Verbesserung von Suchprävention/Frühintervention sowie einer glaubwürdigeren, konsistenten Präventions-und Suchtpolitik.  Notwendig ist dabei  u.a. eine Verbesserung  der Kooperationsbeziehungen  von Schule/Jugendhilfe/Suchthilfe/Psychiatrie sowie eine konzeptionelle Erweiterung der Prävention und Suchthilfe hin zu systemischen Ansätzen, die Eltern und Familien als Ressourcen in den Blick nehmen und aktiv einbeziehen.

Daniel Ott, Villa Schöpflin
In diesem Forum wird "Cannabis - quo vadis?“ ein zweistün­diger, inter­ak­tiver Präven­ti­ons­par­cours, der Schüler*innen der Klassen 8 bis 10 und Jugend­gruppen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren anhand von sechs Themen­sta­tionen fachlich fundierte und realis­tische Infor­ma­tionen zum Thema Cannabis vermittelt vorgestellt. Beste­hende Mythen wie „Kiffen ist gesünder als Rauchen“ und andere Fehlin­for­ma­tionen werden korri­giert. Während des Workshops setzen sich die Jugend­lichen u.a. mit ihrer eigenen Biografie ausein­ander, indem sie die Rolle des Canna­bis­konsums mit Lebens­ent­würfen fiktiver Personen in Zusam­menhang stellen. Auch Situa­tionen zu Hause und in der Schule werden durch­ge­spielt und disku­tiert sowie ein Perspek­ti­ven­wechsel mit Eltern und Lehrer*innen angeregt. 

Unser Ansprechpartner für Fragen zum Fachtag


Sylvia Voigt
Telefon: 03 51 / 803 20 31
E-Mail: info@suchtprae...